«Wer weiter unten lebt, gelangt schneller in die Tiefe.»

Markus

Mit meiner Grösse von 146 cm könnte ich mich problemlos in einer Ecke verkriechen. Um den Blicken der andern auszuweichen. Ich habe mich fürs Gegenteil entschieden: für die Bühne, fürs Rampenlicht, fürs Publikum.

Auch als Kleinwüchsiger hört man dasselbe wie alle andern Teenager: «Lern doch bitte etwas Anständiges!» Hochbauzeichner schien mir hochanständig und genug interessant, um drei Jahre lang in diesem Beruf zu arbeiten. Nicht ohne nebenbei eine Gesangsausbildung zu machen und 1998 meine erste Theaterproduktion auf die Beine zu stellen. Das Thema: Kleinwuchs. Der Hauptdarsteller: Ich.

Fakt ist: Ich bin meist zwei Köpfe kleiner als der Rest des Ensembles. Und genau das hat mir in den letzten zehn Jahren viele Türen geöffnet. Ich durfte mit grossen Regisseuren wie Werner Düggelin oder Sven-Eric Bechtolf zusammenarbeiten, spielte am Opernhaus Zürich, am Stadttheater Bern oder im Mannheimer Nationaltheater. Lustige, tragische und nachdenkliche, kleine und grosse Rollen.

Kleine Menschen können Grosses bewirken – das zeigt meine neuste Produktion «Die kleinen Dinge». Mit dem Zwei-Personen-Stück sind wir 2011 erfolgreich durch die Schweiz getourt. Die Geschichte vom kleinwüchsigen Benno, der sich auf eine Reise in seine Vergangenheit begibt, hat das Publikum landauf, landab begeistert.

Durch meine Arbeit kann ich Perspektiven verändern. Die Welt ein kleines bisschen auf den Kopf stellen und zeigen, wie sie von unten aussieht. Ich darf sagen, was andere nicht auszusprechen wagen. Und Dinge erzählen, welche die meisten noch nie zuvor erlebt haben. Denn wer weiter unten lebt, gelangt schneller in der Tiefe.